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Geschichte Planitz
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Die historische Entwicklung von Planitz

 

 

www.norbert-peschke.de

 

 

 Planitz, mit der Vereinigung von Nieder- und Oberplanitz im Jahr 1923 das größte sächsische Dorf und seit 1924 Nachbarstadt von Zwickau, ist heute – seit der Eingemeindung im Jahr 1944 – ein bedeutender Stadtteil dieser westsächsischen Großstadt.

Vor 1100 könnte auch das Planitzer Gebiet slawisch besiedelt gewesen sein, was (bisher) jedoch nicht durch Funde bestätigt ist. Von sorbischen Bauern stammt möglicherweise die Bezeichnung „plaw“, die einen herabfließenden Wasserlauf oder einen Schwemmbach bezeichnet haben könnte.

Deutsche Bauern aus dem westlichen Altsiedelland ließen sich während der Ostexpansion der deutschen Könige etwa 1150 hier nieder, weil milde Fronen und geringe Abgaben lockten. Der Ort war im 12. und 13. Jahrhundert im Besitz der Vögte von Weida, welche die Herren von der Planitz damit belehnten. Ludwig von der Planitz (auch Plawnitz) versuchte 1192 im angrenzenden Marienthal, mit nicht ganz legalen Mitteln Fluren zu erwerben. Die Grenzen waren noch nicht in jedem Fall sicher fixiert. Hier aber widersetzte sich der Besitzer von Marienthal, das Kloster Bosau, erfolgreich mit einer Beschwerde bei Kaiser Heinrich VI. (1165–1197), der mit einer Urkunde vom 8. Dezember 1192 die Rechte des Klosters bestätigte. Das ist der älteste überlieferte Nachweis von der Existenz des Waldhufendorfes Planitz.

Die Herren von der Planitz galten seit 1406 als Vasallen des Meißener Markgrafen. Zum Rittergut Planitz gehörten damals noch die kleinen Bauernsiedlungen Cainsdorf, Rottmannsdorf und Wilkau.


 

Im Januar 1430 wüteten die Hussiten im Dorf und brannten neben der Burg auch etliche Gehöfte und Häuser nieder. Viele Menschen verloren ihr Leben, fast alle Hab und Gut. Der anschließende Neuaufbau des Herrensitzes geschah in mehrjähriger Fronarbeit und gab ihm einen schlossartigen Charakter. Die Herren von der Planitz wurden 1522 von Kaiser Karl V. (1500–1558) zu Edlen erhoben. Zu den ersten mit diesem Titel zählten die Ritter Rudolph und Hans von der Planitz. Hans diente dem Kurfürsten eine Zeit lang als Rat und Gesandter und war mit Dr. Martin Luther (1483–1546) befreundet.

Es kam eine Zeit der ständigen Besitzerwechsel. Kurfürst August (1526–1586) erwarb 1563 die aus der Auerbacher Herrschaft stammenden Orte Neustädtel, Stützengrün, Schönheide und Schnarrtanne von den Planitzer Besitzern. Christoph von der Planitz musste 1572 den Stammbesitz mitsamt dem Schloss für 40.000 Gulden an Georg von Schönburg auf Glauchau und Waldenburg verkaufen. Somit endete die Herrschaft derer von der Planitz, nur der Name blieb erhalten. Dieses Rittergeschlecht geht als treue Vasallen des jeweiligen Herrscherhauses in die Geschichte ein. Es musste jedoch, wie viele andere Herrschaften auch, der Umstellung von Natural- zur Geldwirtschaft Tribut zollen.

Der „Kurfürstliche Sächsische und Fürstlich Anhaltinische Rat“, Juraprofessor der Wittenberger Universität, Diplomat, Kirchen- und Schulvisitator, Dr. jur. Joachim von Beust (1522–1597), wurde der neue Herr in Planitz. Er erwarb am 1. Mai 1579 die Herrschaft Planitz mit Voigtsgrün für 40.500 Gulden von Georg von Schönburg. Außerdem gehörten noch weitere Dörfer beziehungsweise Teile davon dazu, wie Hirschfeld, Lauterholz, Wolfersgrün, Haara, Wiesen und Leutersbach. Am 7. September 1584 übernahm dann Heinrich von Beust (1559–1627) von seinem hochgebildeten und geachteten Vater die Planitzer Herrschaft. Der Name „Beust“ ist nicht nur durch die Stiftung vom Kohlberg auf das engste mit Planitz und den hier ansässigen Menschen verbunden. Als weiteres Beispiel sei die großzügige Förderung des Umbaus der Schlosskapelle St. Niclas zur Schlosskirche (1585–1588), verbunden mit mancher Schenkung (Altar, Taufstein, Bibel u. a.), genannt.


 

Planitz wechselte den Eigentümer, denn es kam am 14. Juli 1617 in den Besitz von Christoph von Reibold, Herr von Netzschkau. Er und Heinrich von Beust hatten ihre Güter getauscht. Der Kurfürstlich-Sächsische Oberkämmerer Rudolph Apel von Vitzthum erwarb Planitz bereits ein Jahr später. Noch im selben Jahr gelangte der Zwickauer Rat mit Wirkung vom 5. Oktober für 75.000 Gulden in den Besitz des Rittergutes. Am 2. April 1623 kaufte der Landesherr Johann Georg I. (1585–1656) das Planitzer Gut mit Voigtsgrün für 79.437 Gulden, da Zwickau wegen des Dreißigjährigen Krieges dringend Geld benötigte.

Es folgte die Zeit der Not und des Elendes. 1625 forderte die Pest 43 Tote. Genau einhundert Jahre später wird diese tödliche Krankheit die letzten Opfer in Planitz fordern. Der Dreißigjährige Krieg verwüstete ganze Landstriche mit Dörfern und Städten. Im August 1632 plünderte der kaiserliche General Holk (1599–1633) bei der Besetzung Zwickaus auch Planitz. Schon im August des Folgejahres „besuchte“ Heinrich Holk erneut den Ort, raubte und plünderte, was irgendwie wegzuschaffen war. Am 16. Juli 1640 brannten schwedische Reiter des Generals Johann Baner (1598–1641) bei einem Ausfall aus Zwickau gegen die kaiserlichen Truppen Schloss und Rittergut nieder, wobei auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein Jahr später trieben es schwedische und kaiserliche Truppen unter General von Borry noch toller; sie plünderten und brandschatzten, was ihnen unter die Hände kam.

Das Rittergut – oder was von ihm übriggeblieben war – musste 1662 an Ernst von Schönburg verpfändet werden, der es 1667 an Graf Heinrich von Promnitz, den Enkel von Schönburgs, weiter verpfändete. Am 14. November 1673 hielt Kurfürst Johann Georg II. (1613–1680) in Anwesenheit der Herzöge von Altenburg, Halle und Zeitz auf Planitzer Flur eine Generalmusterung über 8000 Mann ab, um mit dem Heer gegen die Franzosen zu ziehen. 1676 endete diese Zeit der Verpfändung. Der jagdbegeisterte Kurfürst tauschte mit den drei Brüdern von Arnim per 21. März 1689 Planitz gegen das Rittergut Pretzsch bei Wittenberg (wegen der besseren Jagdbedingungen) ein. Das Rittergut Planitz mit Ober- und Unterheinsdorf, Cainsdorf, Wilkau mit Hammerwerk und Mühle, Walda bei Hain, Neusorge bei Mittweida, Rottmannsdorf, Voigtsgrün und Irfersgrün kamen an den ältesten Bruder, den Leutnant Johann Georg von Arnim (1656–1721), der für 51.000 Gulden die Herrschaft übernahm. Am 18. März 1698 unterzeichnete August der Starke (1670–1733) die Lehnsurkunde für die von Arnims. Der Neubau von Schloss und Gutgebäude, die man nun in einem Viereck zusammenfasste, wurde 1691 durch den Kammerherrn Johann Georg von Arnim in Angriff genommen.


 

Nach dem Tod seines Vaters übernahm der spätere Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Kammerherr Christoph Heinrich von Arnim (1699–1767) im Jahr 1721 die Planitzer Herrschaft. Er lebte jedoch meist in Gröba. Der Siebenjährige Krieg brachte neue Entbehrungen. Am 21. November 1760 übernachteten zwei Regimenter kurpfälzische Reichstruppen, unter dem Befehl von General von Effern, in Dorf und Schloss. Die jeweiligen „Gastgeber“ mussten zahlreiche Menschen (teilweise bis Kompaniestärke) kostenlos Unterkunft, Speise und Trank gewähren. Einen Tag später quartierte sich ein preußisches Bataillon Husaren ein. Dieser und der Napoleonische Krieg brachten großes Leid und Not unter die Planitzer Bevölkerung.

Der älteste Sohn aus der zweiten Ehe des Christoph Heinrich von Arnim, Hans Christoph von Arnim (1736–1772), erbte Planitz und Voigtsgrün. Er erwählte sich als erster der Familie von Arnim Planitz als ständigen Wohnsitz (1768). Damit werteten die von Arnims den Ort bedeutend auf. Carl Christoph von Arnim (1768–1812), der spätere Domherr des Merseburger Stifts, wurde bereits als 18-jähriger Herr in Planitz.

Zwischen 1768 und 1772 ließ Hans Christoph von Arnim den südlichen Gartenteil in einen Lustgarten im Rokokostil umwandeln. Schon 1662 wurde ein Schlossgarten vor dem Schlosstor urkundlich erwähnt. Im Zuge der weiteren Umgestaltung der Wirtschafts- und Gemüsefelder in einen Lust- und Gewächsgarten errichtete man 1769 im Spätbarock (nach anderen Quellen 1789 anlässlich des 100jährigen Planitzer Besitzjubiläums derer von Arnims) auch das Teehäuschen. Zwischen 1868 und 1872 ließ Isolde von Arnim die Anlage vergrößern, in einen Park im englischen Landschaftsstil umwandeln und von einer Mauer umfassen.


 

Georg Heinrich Wolf von Arnim (1800–1855) fand 1828 seine Brüder mit 166.503 Talern ab und übernahm die alleinige Planitzer Herrschaft mit Voigtsgrün und Irfersgrün, ab 1835 auch das dazugehörige Steinkohlenrevier. Mit der beginnenden Industrialisierung begann auch in Planitz, bedingt durch den Steinkohlenbergbau, ein ungeahnter Aufschwung. Der weitsichtige und tatkräftige Königlich-Sächsische Kammerherr förderte den Steinkohlenbergbau und die heimische Industrie. Die Gründung der Königin-Marien-Hütte Cainsdorf geht auf seine Initiative zurück. Die Einwohnerzahlen stiegen schnell von 883 (1834) auf 7.505 (1871). Das Lebenswerk des verdienstvollen, tatkräftigen und viel zu früh verstorbenen Mannes wurde von dessen zweiten Ehefrau Isolda Bernhardine Emilie Clementine von Arnim (1821–1880), geborene Gräfin zur Lippe-Weißenfeld, weitergeführt. Bekannt wurde sie durch ihr Engagement bei der Choleraepidemie, die 1866 in Planitz von 593 Erkrankten 283 Tote forderte. Isolde von Arnim ließ deshalb im Gedenken an diese Epidemie auf dem Friedhof ein Kreuz aufstellen. Sie förderte die Auspfarrung von Cainsdorf und den Bau der Cainsdorfer und der Lukaskirche. Isolde von Arnim stand bei ihren Untergebenen und Planitzer Einwohnern in großem Ansehen und war außerordentlich beliebt. 


 

In den 1860er Jahren verbesserte sich die medizinische Betreuung der Planitzer Bevölkerung. Etwa um 1860 siedelte sich mit Dr. Edmund Leipold ein „Arzt erster Klasse“ in Planitz an. Um sich pharmazeutisch versorgen zu können, mußten sich die Menschen zu den Apotheken in Zwickau (zwei Stück) oder Kirchberg begeben – eine langwierige und aufwendige Angelegenheit. Hermann Poppe (1833–1891) gelang es endlich, per 11. August 1863 die Konzession zur Einrichtung einer Apotheke zu bekommen. Er richtete die Apotheke im vorhandenen Wohnhaus der heutigen Cainsdorfer Straße 2 ein und eröffnete sie am 26. Juni 1864. Auf diesem Gelände war wahrscheinlich im 13. Jahrhundert ein Friedhof mit einer Fronleichnamskapelle angelegt worden.

Auf dem Galgenberg fand 1815 die letzte Hinrichtung in Planitz statt. Das Rittergut besaß seine eigene Gerichtsbarkeit, die am 14. Mai 1856 an das Amtsgericht Zwickau überging. Bis 1857 diente die Fronveste mit den alten Schließeisen noch als Gefängnis für die sechs Amtsdörfer. Gleichzeitig war im Haus die Wohnung des Amtsfrons untergebracht. Der oben erwähnte Galgenberg wurde übrigens 1908 in Alexanderhöhe umbenannt. Der Besitzer des Höhenrückens, der Königlich Sächsische Kammerherr und Ritter des Johanniterordens Alexander Joseph Karl Bernhard von Arnim (1848–1909), wurde zum Namensgeber der Alexanderhöhe. Der Erzgebirgsverein pachtete das Stück Land 1906 und erwarb es schließlich 1931 von der Kirchgemeinde.

Cainsdorf, mindestens seit 1551 zu Planitz gehörend, wurde 1867 aus Planitz ausgepfarrt und damit zur selbständigen Gemeinde. Dies wurde notwendig, da sich sowohl Planitz als auch Cainsdorf ständig vergrößerten. In den folgenden fünfzig Jahren wuchs vor allem die Planitzer Bevölkerung weiter stark an. Waren es 1826 noch 967 Einwohner, stieg sie 1849 bereits auf 1710 und bis zum Jahr 1870 auf 7594 Einwohner. Obwohl es nur 4 Kohleschächte und 7 Fabriken gab (u.a. produzierte man in Planitz Wäsche, Zigarren, Kartons, Stühle), lebten hier sehr viele Berg- und Lohnarbeiter, für die zunehmend ärmliche Häuser und Wohnungen entstanden. Planitz entwickelte sich zu einem Arbeiterwohnort. Bis 1900 betrug der jährliche Bevölkerungszuwachs 500 Personen, wobei sich die durchschnittliche Zahl der Hausbewohner von 7 auf 21 erhöhte! Die Gesamteinwohnerzahl pegelte sich schließlich bei etwa 24.000 Einwohnern (ohne Cainsdorf) ein. Eine Zählung am 1. Dezember 1900 ergab 21.618 Einwohner in 1029 bewohnten Gebäuden auf einer Gesamtfläche von fast 637 ha. Arbeit fanden die Menschen jedoch vorwiegend in Zwickau, in den Steinkohlenschächten oder in den umliegenden Orten, in denen sich größere Industriebetriebe befanden.


 

Zu Ehren der 200-jährigen Herrschaft der Familie von Arnim auf Planitz fand 1889 eine große Bergparade statt, an der sich aus Tradition auch die 1500 Arbeiter der Königin-Marien-Hütte beteiligten. Am 13. Juli 1892 erfuhr der sächsische König Albert (1828–1902) bei einem Besuch in Planitz die Huldigung der Bergleute der von Arnimschen Steinkohlenwerke.

Während des Ersten Weltkrieges wurden auch zahlreiche Planitzer Männer eingezogen. Ihr Heimatregiment war das in Zwickau stationierte „Königlich-Sächsische 9. Infanterieregiment Nr. 133“. Am Ende dieses Krieges hatten die Planitzer Einwohner etwa 600 Tote aus ihren Reihen zu beklagen, die „im Feld der Ehre“ geblieben waren.

Am 1. Juli 1923 wurde aus Ober- und Niederplanitz endlich eine Einheits-Gemeinde gebildet. Am 8. Mai 1924 erhielt Planitz, „das größte Dorf in Sachsen“, vom Sächsischen Gesamtministerium das Stadtrecht verliehen. Am 1. April 1926 wurde schließlich noch der selbständige Gutsbezirk Planitz auf Anordnung des sächsischen Innenministeriums in die Stadt Planitz eingemeindet. Über die Jahre hinweg ist Planitz untrennbar mit dem Namen des verdienstvollen Bürgermeister Alfred Lorenz verbunden, der die Stadt besonnen durch die Stürme der Zeit führte und manchen Widerspruch in der Kommune mit seiner Persönlichkeit überdeckte.


 

Der Phase eines kurzen wirtschaftlichen Aufschwunges folgte die Weltwirtschaftskrise, während der bei schlechter sozialer Absicherung eine hohe Arbeitslosigkeit (zeitweilig 3300 Arbeitssuchende) bestand. Die Menschen suchten und fanden einen schlechten Ausweg – sie stimmten gegen die demokratische Republik und für die links- und rechtsradikalen Parteien, von denen sie sich Lösungen erhofften, aber nicht erhielten. Der Nationalsozialismus kam an die Macht. Auch in Planitz kam es zu Übergriffen der SA und zur Anwendung von Gewalt gegen KPD-, SPD- und Gewerkschaftsfunktionäre.

Ende des Jahres 1933 wurde die Herrschaft Planitz geteilt. Der Planitzer Teil mit Schloss und Parkanlage ging für 100.000 Reichsmark an die Planitzer Sparkasse. Im März 1935 wurde das Schloss, nach einem Umbau, zum Rathaus umfunktioniert, in dem auch die Sparkasse unterkam.

Die Schmiedegasse wurde 1937 neu befestigt und mit Treppen versehen. Früher hatte sie den Pferdefuhrwerken als Zufahrt zum Schloss gedient und dabei durch das Bremsen der Wagen im Lauf der Zeit tiefe Fahrspuren hinterlassen. Auch der sogenannte Gemeinschaftsbrunnen (am Weg zum Strandbad) wurde in dieser Zeit angelegt.

Per 1. April 1939 wurden Teile von Bockwa und der Cainsdorfer Bahnhof zu Planitz eingemeindet. Die Stadt wurde damit recht und schlecht an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen, wenn man von dem Anschluss vom Zwickauer Hauptbahnhof zum Planitzer Bahnhof (in der Nähe der heutigen Breithauptstraße) für Gütertransporte einmal absieht. Die Freude währte nur kurz, denn am 1. Januar 1944 wurde Planitz nach Zwickau eingemeindet. Mit diesem Eingemeindungsakt erreichte Zwickau den wichtigen Status einer Großstadt.


 

Am 19. März 1945 warfen amerikanische Langstreckenflugzeuge bei einem Angriff auf die Stadt auch in Planitz Bomben ab. Häuser in der Äußeren Zwickauer Straße, Bergstraße, Ebersbrunner Straße, Marktstraße (Edisonstraße), Clausewitzstraße (Eduard-Soermus-Straße), Koloniestraße (Erich-Mühsam-Straße), Weddigenstraße (Ernst-Grube-Straße), Hohe Straße (Freiheitsstraße), Gabelsberger Straße, Vogtländische Straße (Lengenfelder Straße), Heinrich-, Post-, Richard- und Martin-Mutschmann-Straße (Röntgenstraße) wurden getroffen. Planitz hatte bei diesem Luftangriff 78 Tote, 25 zerstörte Häuser und zahlreiche Schäden zu beklagen.

Am 17. April 1945 besetzten amerikanische Einheiten der 6. US-Armee auch Planitz. Sie wurden am 1. Juli gemäß Jaltaer Vertrag von sowjetischen Truppen abgelöst. Im Schloss waren kurzzeitig etwa 60 Sowjetsoldaten kaserniert. Nach deren Abzug sollte das Schloss kulturell genutzt werden. In der als Theatersaal eingerichteten Tenne weihte man am 10. Juli 1946 die „Planitzer Volkskunstbühne“ ein. Das Laientheater, das Bunte Abende gestaltete, entwickelte sich zu einem Berufstheater („Schloßparktheater Planitz“), löste sich aber um 1950 wieder auf. Etwa ab 1948 diente das Schloss zeitweilig als Unterkunft für Wismutarbeiter, bevor 1955 darin eine Schule der Deutschen Volkspolizei untergebracht wurde.

Am 30. März 1952 nahm die neugebaute Poliklinik an der Grenze zwischen Ober- und Niederplanitz ihren Dienst auf. Damit verbesserten sich die medizinischen Bedingungen für die Einwohner beträchtlich.


 

Noch bevor der Beschluss auf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED im Oktober 1973 „zur Lösung des Wohnungsproblemes als soziales Problem bis 1990“ gefasst wurde, war in Zwickau ein Neubaugebiet im industriellen Fertigungsbau im Entstehen: Neuplanitz. Am 28. April 1973 wurde „auf der grünen Wiese“ der Grundstein gelegt. 8440 Wohnungen für etwa 24.000 Menschen wurden montiert. Außerdem baute man nach und nach 5 Schulen, 3 Turnhallen, eine Sporthalle und 2 Versorgungszentren (Kaufhallen und Geschäfte) namens „Baikal“ und „Freundschaft“. Im Jahr 1984 nahmen in Neuplanitz 14 Ärzte in einem neuerbauten Ambulatorium ihren Arbeitsplatz ein. Während einerseits auf „der grünen Wiese“ Neubauwohnungen entstanden, stagnierte andererseits die Entwicklung in Alt-Planitz. Der Verfall der Bausubstanz war augenscheinlich. Nach der Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990 erhofften sich die Planitzer eine grundlegende Verbesserung ihrer Situation. Vieles wurde geschafft, manches bleibt noch zu tun. In den vergangenen Jahrhunderten, das zeigt dieser kurze Rückblick, standen die Einwohner schon viel schlimmere Zeiten durch. Planitz verändert sein Antlitz zu seinen Gunsten!

 

 

Verfasser: Norbert Peschke, Zwickau-Cainsdorf

 

 

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